Wilhelma – Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart

Okapi-Kuh Nyota ist zum dritten Mal Mutter geworden

Neuer Erfolg bei der Nachzucht seltener Okapis in der Wilhelma

Das Okapi-Kalb bleibt als „Ablieger“ die ersten Lebenswochen allein in seinem Versteck im Stroh zurück.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Ein neugeborenes Okapi-Kalb bereichert seit dem 2. März das Giraffenhaus in der Wilhelma in Stuttgart. Zu sehen ist das Jungtier im Außengehege allerdings bisher nicht. Das wird noch ein paar Tage dauern. Denn das Kälbchen versteckt sich im Stroh im Innenbereich der Anlage. Es versucht, sich möglichst still und unauffällig zu verhalten. Erst, wenn es groß und schnell genug ist, um vor möglichen Fressfeinden zu fliehen, wird es dem Muttertier nach draußen folgen. Okapi-Kuh Nyota hat das Kalb – wie es für die Tierart typisch ist – nach der Geburt an diesem sicheren Ort zurückgelassen, um nicht durch ihren Geruch Aufmerksamkeit auf das Jungtier zu ziehen. Zum Säugen und Reinigen des Fells kehrt sie aber regelmäßig zu ihrem Nachwuchs zurück. Die Waldgiraffe verwendet für die Fellpflege ihre charakteristische, besonders lange und bewegliche, blaue Zunge.

1989 gelang der Wilhelma ihre erste Okapi-Nachzucht. Seitdem konnte sie insgesamt 14 erfolgreiche Nachzuchten verzeichnen. Nachdem mit dem 2020 geborenen Laluk zuletzt ein kleiner Bulle die Afrikaanlage ergänzt hatte, darf sich der Zoologisch-Botanische Garten in diesem Jahr über weiblichen Nachwuchs freuen. Für Nyota war es die dritte Geburt. Die Aufzucht ihres ersten Kälbchens im Jahr 2018 überforderte sie noch. Ihre Unsicherheit führte dazu, dass sie das Jungtier nicht säugte. Um ihr Zweitgeborenes kümmerte sie sich dann aber vorbildlich. Auch die Aufzucht ihres jüngsten Nachwuchses gelingt ihr bisher problemlos. Sie selbst hatte einen schweren Start ins Leben. Als ihre Mutter Kabinda 16 Tage nach Nyotas Geburt an einem chronischen Nierenleiden starb, hatte die Kleine sich schon an das Säugen durch das Muttertier gewöhnt. Das machte das Aufpäppeln mit einer Flasche sehr schwierig. Zum Glück nahm sich die damals elfjährige Okapi-Kuh Ibina des Jungtiers an und zog es als dessen Leihmutter auf.

Die Okapi-Mutter verbringt den Tag in Distanz zu ihrem Jungtier und schaut nur vorbei um es zu säugen und sein Fell zu reinigen.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Die seltenen Tiere zeichnen sich durch ihre rötlich-braune bis fast schwarze Färbung aus, die perfekt auf die Tarnung in Wäldern abgestimmt ist. Eine Besonderheit sind die schwarzen und weißen Streifen an den Beinen und dem hinteren Teil des Rumpfs, die das Licht- und Schattenspiel zischen den Ästen der Bäume imitieren und das Erscheinungsbild der Tiere so besonders gut verschleiern. Erst 1901 beschrieben Forscher die scheuen Kurzhalsgiraffen erstmals auf Grundlage von Fellstücken aus Uganda. Heute leben noch rund 10.000 bis 20.000 Okapis in den Regenwäldern Kongos, in Uganda sind sie bereits ausgestorben. Die Wilhelma trägt zum Erhalt ihres Lebensraums bei, indem sie das Okapi Wildlife Reserve im Ituri-Tal unterstützt. Dort leben schätzungsweise 25 bis 50 Prozent der bestehenden Okapi-Population. Aber auch die Nachzucht ist ein wichtiger Baustein der Arterhaltung. Im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) entsteht so in den Zoos eine Reservepopulation, die im Notfall ausgewildert werden kann, sollte das Okapi in der Natur aussterben. Das macht den erneuten Erfolg umso wertvoller.

Wilhelma – Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart
01.04.2022

Erste Blüte mit Publikum seit drei Jahren

Magnolienpracht der Wilhelma erreicht jetzt ihren Höhepunkt

Vor der historischen Kulisse des Maurischen Gartens blühen im Moment rund 70 Magnolien in verschiedensten Farben und Formen.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Strahlende Blüten und strahlende Gesichter: Diese Kombination gab es im Magnolienhain der Wilhelma in Stuttgart das letzte Mal vor drei Jahren. Corona-Schließungen verhinderten 2020/21 das Lustwandeln im Maurischen Garten zur schönsten Zeit des Jahres. Bei dem Sonnenwetter im März und den zuletzt auch milden Temperaturen haben die Bäume sich in den vergangenen Tagen schnell entwickelt. Jetzt sind an fast allen der rund 70 Bäume die meisten Blüten geöffnet und tauchen das Herz der Wilhelma in Rosarot.

Den Anfang machten vor der historischen Kulisse des Zoologisch-Botanischen Gartens traditionell die Frühstarter der schneeweißen Sternmagnolien mit ihren schmalen spitzen Blütenblättern. Eine Brücke schlug die Rosafarbene Sternmagnolie „Leonard Messel“. In gleicher Form nahm sie farblich bereits das Pastell der etwas später folgenden Tulpenmagnolien vorweg. Den zeitlichen Abschluss bilden regelmäßig die Purpur-Magnolien. Das Frühlingshighlight, wenn alle gemeinsam in ihrer puren Blütenpracht stehen, ist ab jetzt rund zwei Wochen zu bewundern, bevor das Blattgrün sprießt – soweit das Wetter mitspielt.

Erstmals seit drei Jahren dürfen Gäste zur Zeit der Magnolienblüte die Wilhelma besuchen.
Foto: Wilhelma Stuttgart

„Der Frühling war bisher äußerst trocken. Den Bäumen, die jetzt im Saft stehen müssen, täte daher Regen gut“, sagt Katja Siegmann, Leiterin des Fachbereichs Parkpflege in der Wilhelma. „Bei Nässe können sich zwar die Blüten bräunlich verfärben. Wir setzen aber darauf, dass sich nach einem Regenguss genug noch geschlossene Knospen in unverfälschter Schönheit öffnen.“ Ein knackiger Frost würde dagegen die Freude für dieses Jahr jäh beenden.

Nicht alle Bäume gedeihen an dem für Magnolien schwierigen Standort. Zwei Exemplare mussten vor kurzem gefällt werden. Durch vielseitige Pflege und gelegentliches Nachpflanzen ist es den Gärtnerinnen und Gärtner gelungen, über die Jahrhunderte einen Bestand von 70 Magnolien zu halten, der die größte Ansammlung dieser Art nördlich der Alpen darstellt. Rund ein Dutzend der knorrigen Gewächse stammt noch aus der königlichen Entstehungszeit der Wilhelma. Verschiedene Maßnahmen verbessern den Untergrund für die Magnolien. So wurden zum Beispiel in den vergangenen Jahren 1700 Löcher gebohrt und mit Lava-Kies gefüllt, um eine bessere Belüftung des Bodens zu schaffen. Gezielt angesiedelte Regenwürmer sollen klassisch die Erde auflockern und jeweils nach der Blütezeit ausgebrachte Laubhäcksel liefern zusätzlich natürliche Nährstoffe.

Wilhelma – Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart
30.03.2022

Azaleenschau in der Wilhelma

Kultivierte Blütenpracht zum Frühlingsbeginn

Aus rund 90 Arten und Sorten hat die Wilhelma ihre Azaleenschau gestaltet.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Der Frühling bricht sich Bahn, doch die Natur kommt erst langsam nach. Bis auf die kleinen Frühblüher wie Schneeglöckchen oder Krokusse, die fast nur als Blüte aus dem Boden hervorlugen, bietet sich die Landschaft meist noch graubraun dar. Wintermüden Blumenfreunden präsentieren sich dagegen in der Azaleenschau der Wilhelma bereits mannshohe Sträucher in vollem Ornat. Edel gewandet in einen Blütenmantel aus Rosa und Rot, Purpur und Weiß strahlen die Rhododendren in der historischen Gewächshauszeile um die Wette.

Nebenan blühen noch die Kamelien, die im Jahreslauf des Zoologisch-Botanischen Gartens in Stuttgart jeweils den Auftakt der Blütenpracht machen. Doch über und über mit Blüten übersät haben die Azaleen ihnen jetzt den Rang abgelaufen. Die ältesten Sorten in der Wilhelma gehen auf König Wilhelm I. von Württemberg zurück, der sie vor über 170 Jahren in seinem royalen Refugium kultivieren ließ. Seither hat die Wilhelma die Sammlung auf 90 Arten und Sorten ausgebaut, womit sie bundesweit zu den vornehmsten Adressen zählt. Die Vorfahren dieser Azaleen-Züchtungen stammen von den Heidekrautgewächsen ab, die Ende des 17. Jahrhunderts aus Japan und China nach Europa gebracht wurden. In ihren ostasiatischen Heimatregionen gedeihen sie speziell in wintermilden Bergregionen bei hohen Niederschlägen auf sauren, humusreichen Böden. Zeitweilig gab es weltweit an die 2.000 Sorten. Nicht alle überdauerten. In deutschen Sammlungen sind heute zirka 700 Sorten erfasst.

Den illustren Wilhelma-Bestand haben die Gärtnerinnen und Gärtner kreativ als Topfpflanzen, Büsche oder Sträucher in Form gebracht, um den Gästen einen vielgestaltigen Anblick zu bieten. Ein starker optischer Magnet ist dabei die pyramidenartig geschnittene Azalee der Sorte „Lara“. So schön sie anzuschauen sind: Den lieblichen Duft in der Schau verströmen nicht die großen Stars, sondern kleine Nebendarsteller, wie Hyazinthen und Primeln. Zu sehen ist die Blütenschau bis in den Mai. Dann ziehen die Azaleen ins Freiland, wo sie an einem geschützten, halbschattigen Ort Kraft für die nächste Blühsaison tanken.

Wilhelma – Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart
25.03.2022

Maßvolle Corona-Lockerungen: Maskenpflicht bleibt – Verordnung entscheidet über 3G-Regel

Mehr Flexibilität und Vergünstigungen bei Wilhelma-Besuch

Der Blick durch die Panoramascheibe auf das Flussbecken im Amazonienhaus ist wieder möglich. So ist der Breitschnauzenkaiman auf Augenhöhe zu betrachten.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Der Wegfall vieler Corona-Restriktionen erleichtert den Wilhelma-Besuch ab der kommenden Woche deutlich. Ab Montag, 21. März, gibt es mehr Möglichkeiten, Eintrittskarten zu kaufen und das erstmals zu allen vergünstigten Tarifen von der Vor-Corona-Zeit, wie für Familien, Studierende und Gruppen. Das Limit der Gäste pro Tag und deren Festlegung auf Einlasszeitfenster fallen weg. Außerdem sind die letzten Häuser und Ecken des Zoologisch-Botanischen Gartens in Stuttgart, die aus Infektionsschutzgründen vorsichtshalber bisher gesperrt blieben, wieder zugänglich.

Ob sich für den Einlass die 3G-Regel gleichermaßen erübrigt, hängt von den kurzfristigen Regelungen der neuen Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg ab. Aktuell zeichnet sich ab, dass die derzeitige Regelung bis zum 2. April fortgeschrieben werden dürfte. Das hieße, dass weiterhin die Gäste entweder geimpft, genesen oder getestet sein müssen – mit den üblichen Ausnahmen – und dies am Eingang belegen müssen. Daher ist es angeraten, sich vor einem Wilhelma-Besuch über die jeweils aktuellsten Vorgaben auf der Internetseite der Wilhelma zu informieren.

Unter Wasser gleiten die riesigen Arapaimas an der Scheibe vorbei.
Foto: Wilhelma Stuttgart / Olaf Kühl

Bald sind so auch die Innengehege von Elefanten, Nashorn und Tapiren freigegeben. Damit ist etwa das Elefantenbaden zu beobachten. Nur bei den Raubkatzen bleiben die Türen noch geschlossen – dies allerdings wegen Baumaßnahmen. Die Löwen und Jaguare sind jedoch sowieso meist in den Außengehegen zu erleben. Die Ställe auf dem Schaubauernhof sind nun zu besichtigen. Auf der Empore im Maurischen Landhaus empfangen die asiatischen Vögel ab Montag Besuch, wie der Balistar als großer Sangeskünstler und die Blaukrönchen, die zu den kleinsten Papageien gehören. Ebenso läuft das Kino im Menschenaffenhaus wieder an. Und die Panoramascheibe auf Wasserniveau erlaubt im Amazonienhaus seit langem endlich den Blick auf die Flusslandschaft mit dem Breitschnauzenkaiman und den riesigen Arapaimas.

Weil das Elefantenhaus öffnet, sind Pama und Zella ab Montag wieder beim Baden zu beobachten.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Da die Zahl der Gäste nicht mehr begrenzt sein wird, ist selbst bei Spontanbesuchen gesichert, dass alle hineinkommen. Die Streichung der gestaffelten Einlasszeitfenster bietet zudem mehr Flexibilität. Dauerkarten-Besitzer brauchen entsprechend keine Terminbuchung mehr. Eine Pflicht zum Online-Ticket ist damit nicht mehr gegeben. Jedoch bleibt der digitale Vorverkauf daheim oder unterwegs der bequemste Weg, Warteschlangen zu vermeiden. Wer jedoch erst vor Ort die Karten kaufen will, hat mehrere Optionen: die beiden Hauptkassen und der Kassen-Container vor dem Haupteingang als Ausweichquartier, weil der historische Pavillon restauriert wird, sowie Kassenautomaten vor dem Parkhaus und direkt an der Stadtbahnhaltestelle „Wilhelma“. In dem Kassen-Container werden jetzt auch Jahreskarten ausgestellt.

Das Parkhaus kehrt zum ehemaligen Modus zurück: Die Parkscheine werden nicht mehr vorab online für ganze Tage vergeben, sondern am Automaten bezahlt – und das wie früher bei Abfahrt stundenweise. Dadurch können die Stellplätze mehrmals am Tag vergeben und besser ausgenutzt werden.

Die asiatischen Vögel auf der Empore im Maurischen Landhaus waren zuletzt außer Sichtweite für die Besucherinnen und Besucher, so auch der Balistar – ein wahrer Sangeskünstler.
Foto: Wilhelma Stuttgart

„Die Lockerungen bedeuten nicht, dass wir Corona ab jetzt locker nehmen“, betont Direktor Dr. Thomas Kölpin. Nach wie vor sei es viel besser, sich nicht mit COVID-19 anzustecken. „Daher behalten wir zum gegenseitigen Schutz der Gäste, unserer Belegschaft und der Tiere die Maskenpflicht in den Häusern, am Haupteingang sowie vor bestimmten Außengehegen bei.“ Dieser Schutz sei bei Tierarten, von denen erwiesen ist, dass sie sich ebenfalls mit Corona anstecken können, angebracht, wenn der Mindestabstand baulich nicht gesichert ist. Die betroffenen Zonen vor manchen Gehegen der Raubtiere und Affen sind ausgeschildert. Genauso bleibt die Einbahnstraßenregelung in den Gebäuden und der Freiflugvoliere erhalten, damit es nicht zu Gedränge durch Begegnungsverkehr kommt. „Es ist schön, dass ohne das Gästelimit niemand mehr Sorge haben muss, am Wunschtag nicht unterzukommen“, sagt Kölpin. „Das Aufheben der Personenbeschränkung in den Häusern gibt zudem mehr Menschen die Chance, zum Beispiel das beliebte Aquarium und Terrarium zu besuchen. Wir setzen dabei auf die gegenseitige Rücksichtnahme. Denn nach Jahren der Pandemie ist das Bedürfnis nach Mindestabstand gewachsen. Ein Haus mit einer früher ganz normalen Menge an Menschen mögen heute manche als voll empfinden.“

Text: Wilhelma – Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart Foto: Wilhelma Stuttgart / Olaf Kühl
18.03.2022

Freud und Leid bei Geburten im Menschenaffenhaus

Mehrfacher Kindersegen bei Bonobos trägt zum Erhalt der Art bei

Bikita mit ihrem Neugeborenen. In der ersten Zeit schläft der Nachwuchs viel.
Foto: Wolfgang Mehnert

Die Bonobo-Anlage der Wilhelma ist in diesen Wochen eine wahre Babystation. Bei den Menschenaffen sind zwei Jungtiere bereits auf die Welt gekommen. Und ein drittes Weibchen ist so hochträchtig, dass jederzeit die Wehen einsetzen können. Es gab jedoch auch eine Schwergeburt, die die Mutter und das Ungeborene nicht überlebten. Für die Erhaltung der sehr bedrohten Tierart sind diese Nachzuchten ein wertvoller Beitrag. Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) tragen die nächsten Verwandten der Menschen den Status „stark gefährdet“. Durch den zunehmenden Verlust ihres Lebensraums in den Wäldern Zentralafrikas sowie Wilderei und Krankheiten steht ihr Überleben auf dem Spiel.

„Die Freude ist riesengroß, dass wir gleich mehrfach gesunden Nachwuchs haben“, sagt Dr. Thomas Kölpin, Direktor des Zoologisch-Botanischen Gartens in Stuttgart. „Bei aller Begeisterung betrübt uns der Verlust der beiden anderen Tiere. Wie in der Natur besteht auch im Zoo immer die Gefahr, dass eine Geburt missglücken kann. Aber es ist ein Jammer um jeden einzelnen der seltenen Menschenaffen.“ Die 13,5 Jahre alte Fimi ist während einer Schwergeburt gestorben. Wie die Obduktion ergab, hatte sich im Mutterleib die Nabelschnur so um den Fötus gewickelt, dass es Fimi unmöglich war, ihn zu gebären. Da Wildtiere versuchen, alle gesundheitlichen Probleme, solange es geht, zu verbergen, zeigen sie erst sehr spät Symptome – so auch Fimi bei ihren Komplikationen. Daher kam der tiermedizinische Eingriff für Mutter und Kind zu spät. 

Fimi starb bei einer Schwergeburt.
Foto: Wilhelma Stuttgart / Bea Jarczewski

Ungetrübte Freude macht dagegen der Kindersegen bei Banbo und Bikita: Sie brachten ihre Sprösslinge selbstständig ohne Probleme auf die Welt. Die Neugeborenen klammern sich hingebungsvoll an ihre Mütter, die sie permanent halten und säugen. So ist noch kein enthüllender Blick gelungen, ob es Männlein oder Weiblein sind. Die Namensgebung kann warten. „Inzwischen haben die Kleinen ihre Augen auf und nehmen das Umfeld immer besser wahr“, sagt Bea Jarczewski, die Leiterin des Menschenaffen-Reviers. „Aber vorerst stehen fast nur Schlafen und Trinken auf dem Programm.“ Die weitere Hoffnung richtet sich auf „Mary Rose“. Die Zwölfjährige kam 2018 aus dem Columbus Zoo in Ohio (USA) nach Stuttgart. Für die „Amerikanerin“ wäre es der erste Nachwuchs und dieser deshalb besonders wertvoll für die genetische Vielfalt der Zuchtgruppe.

Banbo brachte ihr Junges ohne Probleme auf die Welt.
Foto: Wolfgang Mehnert

Mit den neuerlichen Nachzuchten stellt die Wilhelma ihre Rolle als eine der international führenden Institutionen im Einsatz gegen das Aussterben der Bonobos unter Beweis. Sie betreut in der speziell dafür ausgelegten Anlage von 2013 eine der größten und erfolgreichsten Bonobo-Gruppen weltweit. 23 der rund 220 Bonobos im weltweiten Zoonetzwerk für die Erhaltungszucht sind in Stuttgart zu Hause. Über diesen Aufbau einer Reservepopulation in menschlicher Obhut hinaus fördert die Wilhelma seit 2013 kontinuierlich Schutzprogramme für Bonobos vor Ort in Afrika. Mit Spenden ihrer Gäste unterstützt sie Projekte in der Demokratischen Republik Kongo: „Lola ya Bonobo“ betreibt eine Auffangstation, die beschlagnahmte Bonobowaisen rettet und auswildert; „Bonobo alive“ finanziert Anti-Wilderer-Patrouillen.

Text: Wilhelma – Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart Foto: Wilhelma Stuttgart / Bea Jarczewski & Wolfgang Mehnert
11.03.2022

Kooperation zur 13. Zitrusausstellung der Wilhelma – Besondere Gerichte im Restaurant

Beliebte Früchte bezaubern mit Vielfalt und Geschmack

Die Zitruspflanzenschau zeigt im Wintergarten rund 20 verschiedene Sorten.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Für die einen ist es eine Glücks- für die anderen eine Unglückszahl: für die Wilhelma in jedem Fall eine Freude. Denn zum 13. Mal zeigen die Gärtnerinnen und Gärtner des Zoologisch-Botanischen Gartens Stuttgart die atemberaubende Vielfalt der Zitrusfrüchte. Bis zum Sonntag, 27. März, sind die sauren, süßen und teilweise auch bitteren Früchte im Wintergarten zu sehen. Allzu gerne möchten viele Gäste sie einmal probieren. Das geht in der Schau nicht, sonst bliebe nichts davon über. Aber als Besonderheit im 13. Jahr der Ausstellung startet eine Kooperation mit dem Gastronomie-Betreiber in der Wilhelma. Dazu bietet Marché im Restaurant „Amazonica“ in den kommenden drei Wochen mit Zitrus verfeinerte Gerichte an – zum Teil direkt aus Früchten der Wilhelma. Im Wechsel findet sich täglich jeweils eine Kreation von Säften über ein Hauptgericht bis zum Dessert auf der Speisekarte. Diesmal kann man die speziellen Früchte also nicht nur bestaunen, sondern einige zumindest im Restaurant auch probieren.

Die Jahreszeit, in der die Wilhelma die Zitrusfrüchte präsentiert, ist nicht willkürlich gewählt. Jetzt zum Ende des Winters hin ist die Hochblüte der Zitruspflanzen, die ursprünglich aus Asien stammen. Sie blühen und fruchten zwar gleichzeitig und fast das ganze Jahr hindurch, die stärkste Blütenpracht ist aber derzeit zu bestaunen. Deswegen kommt beim Besuch der Ausstellung eine weitere Sinneswahrnehmung hinzu: Die Blüten duften und bezaubern alle, die ihre Nase näher an sie halten.

Die Schau ergänzen Namensvettern, die keine Zitruspflanzen sind, aber einen ähnlichen Duft verbreiten.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Von den weltweit 31 bekannten Arten und mehreren hundert Sorten zeigt die Wilhelma diesmal über 20 verschiedene Ausprägungen. Von den weithin bekannten Mandarinen, Orangen und Zitronen bis hin zu Raritäten wie Chinotto, Ugli, „Buddhas Hand“ oder Deutsche Landsknechthose. Ursprünglich brachten Araber die Gewächse nach Afrika und Europa. Größere Mengen trugen die Schiffe der portugiesischen Seefahrer im 15. und 16. Jahrhundert zu uns. Lange Zeit waren diese Multitalente unter den Nutzpflanzen in erster Linie wegen der ätherischen Öle unter ihrer wachsigen Außenhaut gefragt: zur Herstellung von Heilmitteln und von Düften, die zudem vor Insekten schützen. Erst später entdeckte man sie als leckeres Obst.

Neben der Farben- und Formenvielfalt der Zitrusfrüchte zeigt die Ausstellung auch Pflanzen, deren Namen auf Zitrusfrüchte verweisen: Ob Zitronengras, Zitronenthymian, Zitronenmelisse, Zitroneneukalyptus oder Zitronenverbene – ihre Blätter duften intensiv nach Zitrone. Auch bei den ausgestellten Duftpelargonien, wie „Queen of Lemon“ oder „Prince of Orange“, sind der Grund für den Wohlgeruch ihrer Blätter ätherische Öle, mit denen sich sowohl Zitrusfrüchte als auch die Duftpflanzen gegen Fraßinsekten schützen.

Wilhelma – Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart
04.03.2022

Neues internationales Zoo-Ranking

Qualitätssprung: Wilhelma jetzt Nummer fünf in Europa

Mit der neuen Schneeleoparden-Anlage von 2018 konnte die Wilhelma punkten.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Mit der Wilhelma geht es weiter voran. Das belegt auch die neueste Bewertung der besten Zoos Europas. In dem regelmäßigen Ranking schaffte der Zoologisch-Botanische Garten in Stuttgart einen kräftigen Sprung von Platz zehn auf Rang fünf. Oben stehen weiter der Tiergarten Schönbrunn in Wien sowie die Zoos in Leipzig und Zürich. Aus deutscher Sicht hat sonst nur noch der Zoo Berlin die Nase vor der Wilhelma. Den Tierpark Hellabrunn hat sie dagegen jetzt hinter sich gelassen in der Rangfolge, die alle zwei Jahre neu erstellt wird. Die kürzlich veröffentlichte Tabelle ergibt sich aus der Auswertung der jüngsten Erhebung von Anfang 2020.

Für die Krokodil-Haltung bekam die Wilhelma-Bestnoten.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Damit hat sich die Wilhelma unter den Top-Adressen der großen Einrichtungen mit mehr als einer Million Gäste pro Jahr fest etabliert. Sie teilt sich den fünften Rang punktgleich mit drei weiteren Institutionen: ZooParc Beauval, Chester Zoo und Pairi Daiza. „Die Spitze rückt zusammen“, sagt Direktor Dr. Thomas Kölpin, „Wenn wir mit den jeweils besten Zoos von Frankreich, England und Belgien auf einer Stufe stehen, sind wir in großartiger Gesellschaft.“ Auch der Abstand nach ganz oben hat sich verringert. Dauersieger Schönbrunn konnte seine Quote der erreichbaren Punkte von 2016 bis 2020 von 84,6 auf 86,5 Prozent steigern. Die Wilhelma legte in der Zeit von 71,0 auf 79,4 Prozent zu. „Wir messen uns mit den Größten und Besten“, sagt Kölpin. „Auch die anderen investieren und verbessern sich. Wenn wir dennoch in die Verfolgergruppe aufsteigen, ist das besonders hoch einzuschätzen. Als ich 2014 nach Stuttgart kam, lag die Wilhelma noch auf Rang 14. Der kontinuierliche Aufstieg seither zeigt, dass das Engagement Anerkennung findet.“

Für die Krokodil-Haltung bekam die Wilhelma-Bestnoten.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Erstmals hat das Ranking ein Autorenduo erarbeitet. Der Zoo-Analyst Anthony Sheridan, der das Ranking aus der Taufe gehoben hatte, bereist 126 Tierparks seit 2008 immer wieder, um Daten, Fakten und frische Eindrücke zu sammeln. Der Engländer hat sich mit Alex Rübel einen ausgewiesenen Insider an Bord geholt. Unter der fast 30-jährigen Führung des ehemaligen Direktors entwickelte sich der Zürcher Zoo zu einem internationalen Aushängeschild. Gemeinsam haben sie rund 40 Einzelkriterien in den Kategorien Besucher-Faktoren, Bildung / Natur- und Artenschutz sowie Wirtschaft und Organisation unter die Lupe genommen. Die Wilhelma konnte in allen dreien Bereichen zulegen. Zu einer Aufwertung führten zum Beispiel die neue Schneeleoparden-Anlage 2018 und die Einführung des Artenschutz-Euros 2019. Bestätigt wurden zudem die Bestnoten für die Menschenaffen-Anlage und die Krokodilhalle. Noch nicht berücksichtig ist das 2020 eröffnete Gemeinschaftsgehege für Yaks und Kamele.

Die moderne Anlage für Menschenaffen erfüllte die hohen Standards der Juroren.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Was grundsätzlich in das Ranking nicht einfließt, ist die außerordentliche Artenvielfalt der Wilhelma. Hier hat sie dank ihrer fast 1200 Arten mit dem Zoo Berlin ein Alleinstellungsmerkmal in Europa. Die Autoren werten jedoch für die Vergleichbarkeit in erster Linie 45 besonders markante Flaggschiff-Tierarten und deren Haltung aus. Auch für Aquarium und Botanischen Garten erhält die Wilhelma Lob, sie werden jedoch nicht bewertet. Trotzdem sieht der Direktor Steigerungspotenzial: „Wir haben bereits weitere zukunftsweisende Projekte gestartet, sodass wir anstreben, zu der absoluten Spitze ganz aufschließen zu können“, sagt Kölpin. Bei den Neuheiten macht in diesem Jahr den ersten Schritt das vielseitige Haus für Kleinsäuger, Vögel und Insektivoren. Es folgt die Terra Australis mit Koalas und interessanten Begleittierarten von Down Under. Und in Vorbereitung sind bereits ein Landschaftsgehege für Sibirische Tiger und die große Elefantenwelt.

Die moderne Anlage für Menschenaffen erfüllte die hohen Standards der Juroren.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Wilhelma – Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart
21.02.2022

Spende hilft Weiterentwicklung der Wilhelma

Firma Klingbeil übernimmt Patenschaft für Netzgiraffe Nyiri

Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin übergab die Patenschaftsurkunde vor dem Giraffengehege an Geschäftsführerin Verena Klingbeil und Elena Schirmer von der Firma Klingbeil.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Die Erdmännchen haben mit Abstand die meisten Patinnen und Paten, doch auch das größte Wilhelma-Tier hat inzwischen eine Fürsprecherin. Die Firma Klingbeil aus Ilsfeld bei Heilbronn hat die Patenschaft für Nyiri übernommen. Die Netzgiraffe ist im vergangenen Jahr aus dem Kölner Zoo nach Stuttgart gekommen. Mit gut vier Metern überragt sie die noch massigeren Elefanten. „Für den Zoologisch-Botanischen Garten ist das sowohl eine finanzielle als auch ideelle Unterstützung“, sagt Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin. „Dass uns Firmen aus der Region so ihre Verbundenheit zeigen, ist für uns und unsere Arbeit viel wert.“

Für die neue Patin war die Wahl von Nyiri kein Zufall: „Wir freuen uns sehr, dass wir die Wilhelma und ihre vielfältigen Projekte durch unsere Patenschaft fördern können“, sagt Verena Klingbeil. Sie führt das mittelständische Familienunternehmen in zweiter Generation. „Giraffen sind schöne und durch Ihre Größe beeindruckende Tiere – wir haben uns sofort in Nyiri verliebt.“ Zudem sei es wichtig, den Giraffen-Bestand der Zoos zu sichern und perspektivisch zu vergrößern, da Giraffen seit 2016 zu den gefährdeten Tierarten auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN zählen. „Unser Wunsch ist es, vor allem Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, eine große Artenvielfalt zu erleben“, betont Klingbeil. „Die Wilhelma liegt uns daher auch als Naherholungspark mitten in der Stadt besonders am Herzen.“

Die Netzgiraffe Nyiri kam 2021 aus dem Kölner Zoo in die Wilhelma.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Die 1978 gegründete Klingbeil GmbH stellt mit rund 35 Mitarbeitern in Ilsfeld Produkte der Klebetechnik her. Dazu gehören selbstklebende Etiketten und Formstanzteile sowie Zuschnitte von Kennzeichnungsfolien und Klebebändern für die Weiterverarbeitung bei den Kunden aus der Industrie.

Die Patenschaftsgelder fließen nicht in die laufenden Ausgaben der Wilhelma, wie Heizung, Wasser oder Strom, sondern kommen in einen gesonderten Topf. „In den derzeit schwierigen Zeiten mit den erheblichen Einnahmeausfällen müssen wir Prioritäten bei Investitionen setzen“, sagt Direktor Kölpin. „Die Spenden der Patinnen und Paten helfen uns daher, Projekte zu ermöglichen, die sonst nicht in dieser Form oder erst viel später zu realisieren wären.“ Aktuelle Beispiele dafür, was auf diese Weise aufgewertet werden konnte, sind der Neubau der Schneeleoparden-Anlage 2018 und die Erneuerung des Außengeheges der Brillenbären 2021. Auch in die artgerechte Ausstattung des neuen Gebäudes für Kleinsäuger, Vögel und Insektivoren, das 2022 in Betrieb gehen wird, fließen Patenschaftsgelder.

Wilhelma – Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart
18.02.2022