Wilhelma Stuttgart

Wilhelma Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart

Jahresbilanz nach Flächenbränden in Brasilien

Erste Erfolge der Hilfsfeuerwehr im Pantanal dank Wilhelma-Nothilfe

Feuerpatschen und Schutzausrüstung sind eine erhebliche Hilfe für die Farmer.
Foto: ICAS/IPE

Frohe Kunde aus Brasilien: Vor genau einem Jahr hatte die Wilhelma Nothilfe im Pantanal geleistet, wo das größte Feuchtgebiet der Welt wegen anhaltender Trockenheit zu weiten Teilen in Flammen stand. Jetzt hat der Zoologisch-Botanische Garten in Stuttgart von seinem Kooperationspartner eine ermutigende Bilanz der zwölf Monate seither erhalten. Ganz akut hatte die Wilhelma mit Spenden Veterinären geholfen, im Brand verletzte Tiere zu retten. Zudem flossen zukunftsweisend Gelder in ein Programm, das Farmer als Brandschützer ausbildet und ausstattet. Insgesamt waren es 25.000 Dollar. Sie stammen aus dem Artenschutz-Budget sowie Spenden der Besucherinnen und Besucher, die einen Artenschutz-Euro beim Kartenkauf bezahlen. Außerdem fließen pro Jahr 45.000 Euro von Wilhelma und ihrem Förderverein in Projekte zum Schutz der Großen Ameisenbären und der Riesengürteltiere nach Südamerika.

Laubbläser und Löschrucksäcke gehören zur gestifteten Ausrüstung zur Brandbekämpfung.
Foto: ICAS/IPE

„Das Pantanal hat eine unglaubliche Artenvielfalt, die es zu schützen gilt“, sagt Wilhelma-Direktor Dr. Thomas Kölpin. „Wir begleiten alle zwei Dutzend Projekte, die wir weltweit mit Spenden fördern, um uns von deren sinnvollen Einsatz zu überzeugen. Das für uns noch recht neue Programm im Pantanal erweist sich als sehr erfolgreich. Die Brandbekämpfung ist Artenschutz in Reinform, weil sie einen ganzen Lebensraum für viele Arten bewahren hilft.“ In Brasilien hat gerade die Regenzeit begonnen. Und zum ersten Mal seit Monaten regnet es auch tatsächlich. Die schwerste Dürre seit 100 Jahren ist damit aber nicht vorüber. „Wir hoffen, dass es in den nächsten Wochen und Monaten viel regnet“, betont Arnaud Desbiez, der Präsident der Wildtierschutzorganisation ICAS in Brasilien. 2021 gab es nur halb so viele Feuer wie 2020. Doch ihre Zahl lag trotzdem weit über dem Zehn-Jahres-Schnitt. „Unserer neuen Hilfsfeuerwehr ist es gelungen, einen Waldbrand zu verhindern“, berichtet Desbiez. „Satelliten hatten die Hitzeentwicklung erkannt. Wir haben die Landbesitzer verständigt. Ihnen ist es gelungen, mit der professionellen Ausrüstung das Feuer zu löschen, bevor die Berufsfeuerwehr eintraf.“

Über persönliche Schutzausrüstung verfügte zuvor kein Farmer im Kampf gegen die Flammen.
Foto: ICAS/IPE

Früher hatten die auf sich allein gestellten Landwirte und Viehbesitzer ohne jeden Schutz vor Hitze und Funkenflug oft nur einzeln mit Zweigen auf die Glut eindreschen können. Nach der Schulung mit der neuen Ausstattung rücken sie geschützt durch Helme und feuerbeständige Kleidung den Flammen koordiniert mit Feuerpatschen, Wasserspritzen, Löschrucksäcken und sogar Laubbläsern effektiver zu Leibe. „Was die Zusammenarbeit, Schnelligkeit und Effizienz angeht, erfüllte der Einsatz unsere Hoffnungen“, so Desbiez. „Deshalb dehnen wir das Programm nächstes Jahr auf benachbarte Ranches aus. Ein großes Dankeschön an alle, die sich an dieser Aktion beteiligen.“

Ebenfalls entwickeln sich laut dem Jahresbericht die Einzelprojekte gut. Das Giant Armadillo Conservation Project (GACP) hilft den Imkern, ihre Bienen vor den Übergriffen des Gürteltiers zu schützen. Erstmals kommt Ende dieses Jahres nun ein zertifizierter Honig aus diesem Programm in den Verkauf. Er soll der Bevölkerung einen auskömmlichen Lebensunterhalt ermöglichen, der die Natur nicht ausbeutet.

Ein Traktor und ein Wassertank auf Rädern bilden ein Löschgespann.
Foto: ICAS/IPE

Zum Schutz der Großen Ameisenbären nehmen die Artenschützer die wachsende Zahl der Wildunfälle an den Highways auf vielfältige Weise ins Visier. Denn weil der River Paraguay wegen der Dürre immer weiter austrocknet, verlagert sich der Warentransport von Schiffen auf LKW. Viermal mehr Fahrzeuge sind jetzt auf den Überlandstraßen unterwegs. Verkehrsbeobachtungen messen nun, ob die Fahrgeschwindigkeit in der Nähe von Warnschildern zu Wildwechsel überhaupt sinkt. Befragungen von Berufskraftfahrern sollen zeigen, ob die Sichtbarkeit der Warnschilder ausreicht.

Zudem sollen an neuralgischen Streckenabschnitten Tierschutzzäune gezogen werden. Dafür untersuchen die Forscher zudem das Verhalten der Ameisenbären. Wie ziehen sie ihren Nachwuchs auf und wie verbreitet sich dieser in der Region, auf der Suche nach einem eigenen Revier? In Fragen des Wildschutzes berät die ICAS auch Brasiliens Bundesministerium für Infrastruktur bei der Planung des Straßenbaus.

Text: Wilhelma, Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart Foto: ICAS/IPE
08.11.2021

Ab den Ferien gilt der Wintertarif – 25 Prozent günstiger

Goldene Zeiten in der Wilhelma mit herbstlicher Dekoration

Der Herbst entfaltet ein besonderes Farbenspiel in der Wilhelma.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Mehr als nur ein Hauch Indian Summer weht durch die Wilhelma in Stuttgart. Die Herbstsonne lässt das farbenfrohe Laub der ehrwürdigen Bäume im historischen Park hell strahlen. Die verschnörkelte Architektur der maurischen Gebäude wirft immer längere Schatten. Stimmungsvolle Dekoration schafft zusätzlich Herbstatmosphäre mit etwas Halloween-Flair. Nicht weniger als 93.500 Pflanzen und Zwiebeln haben die Gärtnerinnen und Gärtner in den vergangenen Tagen gesetzt, damit der Zoologisch-Botanische Garten sich auch an kälteren Tagen bis ins Frühjahr blütenreich präsentiert. Ab November gilt der günstige Wintertarif.

Die Herbstferien können also kommen. Am letzten Tag der Hauptsaison, dem 31. Oktober, bleibt der Park trotz der Zeitumstellung noch bis 18.30 Uhr geöffnet, so dass die Gäste bis in die Dämmerung hinein das schummerige Flair genießen können. Die Häuser sind bis 17.30 Uhr offen. Neben der herbstlichen Gestaltung der Beete hat die Kreativabteilung viele Stationen aufgebaut, die dezent an den Grusel-Brauch erinnern: Vogelscheuchen, Hexenbesen und -hüte, Fledermaus-Figuren und Gespenster sind auf dem Gelände anzutreffen sowie natürlich allerhand bemalte Kürbisse. Neben einigen grimmigen Gesellen finden sich unter diesen schmucken Früchten dieses Jahr auch viele lustige Gestalten und Tiermotive.

Die Gärtnerei hat den Wilhelmapark jahreszeitlich passend hergerichtet.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Zurückhaltend unterhaltsam ist der Halloween-Charakter in diesem Jahr. Eine schaurige Großveranstaltung mit verkleideten Akteuren, Mitmachaktionen und vielen gruseligen Überraschungen auch in den Häusern ist angesichts der Corona-Pandemie noch nicht wieder angeraten. Dafür ist die jahreszeitliche Dekoration auch während der Herbstferien zu sehen. Für ein unbeschwertes Erlebnis sorgen weiterhin eine Obergrenze von 8000 Gästen pro Tag, die nach online zu buchenden Einlasszeitfenstern gestaffelt den Park betreten, sowie die 3G-Regel als Nachweis des Corona-Status. Die Pandemie-Lage kann allerdings kurzfristige Änderungen erfordern. Geöffnet ist die Wilhelma von November bis Februar täglich von 8.15 bis 16.30 Uhr, die Häuser von 10 bis 16 Uhr. In dieser Zeit ist der Besuch um mindestens 25 Prozent günstiger. Der Eintritt kostet dann für Erwachsene (mit Artenschutz-Euro für internationale Projekte) 15 statt 20 Euro und für Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren 5,50 statt 8 Euro. Kinder unter 6 Jahren dürfen gratis hinein.

Text: Wilhelma, Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart Foto: Wilhelma Stuttgart
08.11.2021

Christmas Garden Stuttgart feiert im November mit einem Lichtermeer sein Comeback

  • Neuer Rundweg mit vielen funkelnden Highlights
  • Tickets schnell und einfach online zu buchen
  • Umfangreiches Hygienekonzept für besinnliches Open-Air-Erlebnis

In diesem Winter wird der Christmas Garden Stuttgart endlich zum dritten Mal Groß und Klein in Begeisterung versetzen können. Auch 2021 wartet dieses einmalige Format für die ganze Familie mit einem neu konzipierten Rundweg durch das beeindruckende Freigelände der Wilhelma auf. Zahlreiche neue aufwendige Lichtinstallationen werden dank Millionen von Lichtpunkten und musikalischer Untermalung für ganz besondere winterliche Momente im Zoologisch-Botanischen Garten in Stuttgart sorgen.

Vom 18. November 2021 bis zum 16. Januar 2022 lädt der Christmas Garden Stuttgart unter freiem Himmel täglich von 17 bis 22 Uhr zum Entdecken und Staunen ein. Geschlossen ist der Christmas Garden nur am 24. Und 31. Dezember 2021. Die Wilhelma hat jeden Tag geöffnet.

Karten gibt es auf www.christmas-garden.de, und allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie auf www.myticket.de und unter 01806 – 777 111 (0,20 EUR/Anruf aus dem dt. Festnetz / max. 0,60 EUR/Anruf aus dem dt. Mobilfunknetz).

Christian Doll, Geschäftsführer der C² Concerts GmbH: „Im vergangenen Winter mussten wir den Christmas Garden Stuttgart pandemiebedingt schweren Herzens absagen. Dieses Jahr kehren wir aber wieder in die einmalige Wilhelma zurück und können es nicht erwarten, den Stuttgarter/innen und Gästen aus dem Umland endlich den neuen Rundweg mit dutzenden funkelnden Lichtinstallationen zu präsentieren. Gerade nach einer so langen Zeit ohne Veranstaltungen bietet der Christmas Garden die perfekten Voraussetzungen, um sich gemeinsam mit Freunden und Familie eine wohlverdiente Auszeit zu nehmen und sich auf Weihnachten einzustimmen.“

Dr. Thomas Kölpin, Direktor der Wilhelma: „Ich persönlich freue mich sehr auf den Christmas Garden. Er stellt jedes Jahr ein Highlight in den Wintermonaten dar, womit wir auch in der dunklen Jahreszeit unseren schönen Park in ein bezauberndes Licht rücken. In enger Abstimmung und guter Zusammenarbeit mit den Macher/innen des Christmas Garden ist uns auch dieses Jahr wieder etwas Einmaliges gelungen.“

Fotowettbewerb und Gewinnspiel

Die mit Herzblut inszenierten Installationen bieten unzählige Motive für spannende, verspielte oder romantische Fotos. Kreative Besucher*innen können ihre Fotos auch mit dem Hashtag #ilovechristmasgarden bei Facebook oder Instagram posten und auf diese Weise an einem Fotowettbewerb teilnehmen. Unter den besten Schnappschüssen werden eine Reise für zwei Personen zum Christmas Garden Barcelona 2022 inkl. Flug und Übernachtung sowie Tickets für den Christmas Garden im nächsten Jahr verlost.

Neue Highlights: Kathedrale des Lichts und magisches Hologramm

Den Machern des Christmas Garden Stuttgart liegt es ganz besonders am Herzen, ihren Gästen jedes Jahr aufs Neue ein spektakuläres Erlebnis zu bieten, das sich vom Vorjahr unterscheidet und überraschende Akzente setzt. Rund 30 Illuminationen erhellen den gut zwei Kilometer langen Rundweg, der sich durch die abwechslungsreiche Parklandschaft schlängeln wird.

Mit der Kathedrale des Lichts präsentiert der Christmas Garden Stuttgart dieses Jahr eine atemberaubende neue Installation: Als Besucher durchschreitet man einen 20 Meter langen, von tausenden Lichtdioden erleuchteten Tunnel, der an seiner höchsten Stelle knapp sieben Meter umfasst. Zudem wird zwischen den berühmten Mammutbäumen wie von Geisterhand ein magisches Hologramm schweben, untermalt von Klangwelten des Komponisten und SoundDesigners Burkhard Fincke. Ein imposantes Field of Lights wird dank aufwendiger Programmierung zu weihnachtlichen Melodien tanzen und eine beeindruckende Choreographie wiedergeben. Auf dem Wasser wird es romantisch-verträumte Projektionen zu bestaunen geben, die mithilfe von feinstem Sprühnebel in der Luft tanzen.

Für Speis und Trang werden auch in diesem Jahr die Catering-Experten von Marché Mövenpick sorgen.

COVID-19: Hygienekonzept – sicher und verantwortungsvoll organisiert

Die Gesundheit der Besucher/innen und Mitarbeiter/innen steht für die Veranstaltenden des Christmas Garden an oberster Stelle. So wurde ein umfangreiches COVID-19-Hygienekonzept erarbeitet, das sicherstellt, dass die entsprechenden behördlich vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen, die sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden können, eingehalten werden. Der Umfang der Hygienemaßnahmen wird mit der nötigen Verhältnismäßigkeit und in Abstimmung mit den Behörden stets an die aktuellen Entwicklungen angepasst. Aktuelle Informationen zu den Maßnahmen sind hier zu finden: https://www.christmas-garden.de/hygienekonzept

Archivbild: Ein „Field of Lights“ tanzt zu musikalischen Klängen.bei Christmas Garden Stuttgart.

Hintergrundinformationen:

2016 holte die DEAG Deutsche Entertainment AG dieses Erfolgsmodell erstmals nach Deutschland in den Botanischen Garten Berlin. Wegen des überwältigenden Erfolgs kamen weitere Standorte in der Wilhelma in Stuttgart (seit 2018), in Schloss & Park Pillnitz in Dresden (seit 2018), im Allwetterzoo Münster (seit 2019), im Botanischen Garten Madrid (2019), im Wollaton Park in Nottingham (seit 2020) sowie in Berlin mit Weihnachten im Tierpark (seit 2019) hinzu. In der Saison 2019/2020 strömten insgesamt rund 950.000 Besucher zu diesem winterlich-romantischen Highlight, zu dem sich der Christmas Garden innerhalb weniger Jahre entwickelt hat. Dieses Jahr sollen international gleich neun weitere Standorte hinzukommen.

Christmas Garden Stuttgart
Mit der Dämmerung beginnt die magische Reise …

18. November 2021 – 16. Januar 2022
Zoologisch-Botanischer Garten Wilhelma
Wunsch-Einlasszeiten schon jetzt sichern auf www.christmas-garden.de !

Text: Wilhelma, Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart Foto: Wilhelma Stuttgart
08.11.2021

Artenschutzprogramm für größte Wolfsspinne der Welt

Wilhelma gelingt erste Nachzucht einer extrem seltenen Tarantel

Die Deserta-Tarantel gilt mit vier Zentimetern Körperlänge als die größte Wolfsspinne der Welt.
Foto: Wilhelma Stuttgart / Volker Harport

Nicht nur Gorilla, Elefant und Löwe stehen in der Wilhelma, einem der artenreichsten Zoos der Welt, im Mittelpunkt. Auch die Vielfalt anderer Lebewesen ist unermesslich und verdient geschützt zu werden, wie im 2002 eröffneten Insektarium. Seit rund einem Jahr hält der Zoologisch-Botanische Garten in Stuttgart eine wirkliche Rarität: die Deserta-Tarantel (Hogna ingens). Mit rund vier Zentimetern Körperlänge und einer Beinspannweite von bis zu zwölf Zentimetern gilt sie als die größte Wolfsspinne der Welt. Zudem sind diese schönen, schwarz-weiß gefärbten Spinnen extrem selten. Nun ist deren Nachzucht auch in der Wilhelma erstmals gelungen. Von Natur aus kommen sie nur auf der unbewohnten Insel Deserta Grande vor, die ungefähr 20 Kilometer vor der Küste der Atlantikinsel Madeira liegt. Ihr Bestand ist in den vergangenen Jahrzehnten dramatisch zurückgegangen, da eingeführte Ziegen und ein sich explosionsartig vermehrendes Glanzgras die letzten Rückzugsorte der Tarantel  gefährden. Aktuell wird davon ausgegangen, dass nur noch 4000 dieser Tiere auf Deserta Grande leben, was für eine Spinnenart sehr wenig ist. Darum wurde 2016 unter Leitung des Bristol Zoo ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für die Deserta-Tarantel gestartet. Dies soll sichern, dass diese Tierart nicht ausstirbt.

Deserta-Taranteln vor der Paarung.
Foto: Wilhelma Stuttgart / Volker Harport

Die Wilhelma beteiligt sich an diesem EEP seit vergangenem Jahr. „Wir bekamen insgesamt 50 Jungtiere vom Kölner Zoo, der die Art bereits seit 2019 erfolgreich pflegt und züchtet“, berichtet Revierleiter Volker Harport. „Es freut mich auch ganz persönlich, dass wir es nun geschafft haben, diese schöne und äußerst seltene Spinne nachzuzüchten.“ Insgesamt tummeln sich derzeit mehrere hundert Jungtiere in speziellen Aufzuchtterrarien hinter den Kulissen des Insektariums. Rund vier Monate nach der Paarung bauen die Weibchen einen Kokon, den sie bis zum Schlupf der Jungtiere mit sich tragen und auf diese Weise gut bewachen. Auch die frisch geschlüpften Jungspinnen werden einige Zeit auf dem Körper herumgetragen. Danach sind sie aber komplett auf sich allein gestellt.

Die Deserta-Tarantel trägt den Kokon immer bei sich. Und auch nach dem Schlüpfen trägt das Weibchen die Vielzahl der Jungtiere einige Tage auf dem Rücken.
Foto: Wilhelma Stuttgart / Volker Harport

Wie alle Wolfsspinnen, jagt die Deserta-Tarantel nicht mit Hilfe eines Netzes, sondern lauert in ihren Wohnröhren ihren Opfern auf: Käfern, Tausendfüßlern und sogar kleinen Eidechsen. Schon kurze Zeit, nachdem sie geschlüpft sind, leben die Spinnen räuberisch: „Das ist auch der Grund, warum wir die Tiere einzeln halten müssen. Denn sonst würden sie sich gegenseitig auffressen“, weiß Spinnenexperte Harport. Die in der Wilhelma geschlüpften Jungspinnen werden zum Teil weiter für die Zucht eingesetzt und zum Teil an andere Zoos abgegeben. Mit den Erhaltungszuchtprogrammen leisten die Zoologischen Gärten weltweit einen wichtigen Beitrag zum Schutz bedrohter Tierarten. Das Ziel ist es, eine stabile Reservepopulation in menschlicher Obhut aufzubauen und so dauerhaft vor dem Aussterben zu schützen, falls ihre Zahl in der Natur zu stark abnimmt. Das Wilhelma-Insektarium zeigt die Deserta-Tarantel in einem extra mit für ihren Lebensraum typischen Pflanzen gestalteten Terrarium.

Die Deserta-Tarantel trägt den Kokon immer bei sich. Und auch nach dem Schlüpfen trägt das Weibchen die Vielzahl der Jungtiere einige Tage auf dem Rücken.
Foto: Wilhelma Stuttgart / Volker Harport

Text: Wilhelma, Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart Foto: Wilhelma Stuttgart / Volker Harport
08.11.2021

Giraffenbulle Hanck bei medizinischer Behandlung gestorben / Kreislaufversagen

Der 21-jährige Netzgiraffen-Bulle war seit 2002 in der Wilhelma.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Die Wilhelma hat ihren Giraffenbullen verloren. Bei einer medizinischen Behandlung ist „Hanck“ am Dienstag, 12. Oktober, an Kreislaufversagen gestorben. „Die Narkose einer Giraffe ist die heikelste, die es in der Tierwelt gibt“, sagt der Veterinär des Zoologisch-Botanischen Gartens in Stuttgart, Dr. Tobias Knauf-Witzens. Bekannt wegen ihrer langen Beinen und des noch längeren Halses, ist es gerade diese extreme Körperform, die für Giraffen während ihres ganzen Lebens eine Herausforderung darstellt. Bei einem Bullen wie Hanck muss das große und zirka zwölf Kilo schwere Hochleistungsherz das Blut von Huf bis Kopf beständig über einen Höhenunterschied von fünf Metern pumpen. Hingegen können sie auch im gesunden Zustand nicht länger liegen, ohne Kreislaufprobleme zu bekommen. Daher stellt jede Narkose ein erhöhtes Risiko dar.

Der 21-jährige Netzgiraffen-Bulle war seit 2002 in der Wilhelma.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Der am 9. Juni 2000 in Rotterdam geborene Hanck war im April 2002 in die Wilhelma gekommen. Er fühlte sich hier sichtbar wohl und hat sieben Mal Nachwuchs gezeugt und damit zum Erhalt der Netzgiraffen beigetragen. Er erfreute sich dem Anschein nach guter Gesundheit – jedoch machten ihm im mit 21 Jahren bereits in fortgeschrittenem Alter seine Hufe zunehmend zu schaffen. Seine Klauen wuchsen ungleichmäßig. „Dadurch kam es zu einer Fehlstellung des Hufgelenks“, erklärt Knauf-Witzens. „Ohne Korrektur wäre die Folge eine chronische Arthrose. Das Tier bekäme Schmerzen, würde lahmen und wäre auf Dauer nicht mehr lebensfähig. Die Hufpflege war bei Hanck wegen ihrer medizinischen Notwendigkeit daher unaufschiebbar geworden.“ Die Pflegerinnen und Pfleger der Wilhelma betreiben regelmäßig mit den Giraffen ein Training, um mit ihnen einzuüben, verschiedene therapeutische Behandlungen zu dulden und zum Beispiel für die Hufpflege die Beine zu heben. So können manche Narkosen vermieden werden. Die Reaktion ist individuell unterschiedlich. Während zum Beispiel die Giraffenkühe Kiburi und Anna bereitwillig mitgemacht hatten, hatte Hanck das Training nicht angenommen. Daher führte kein Weg an der Narkose vorbei. Eine Obduktion soll zeigen, ob Hanck bis auf Alterserscheinungen gesund war oder versteckte Leiden dazu beigetragen haben könnten, dass sein Kreislauf versagt hat. Eine Lebenserwartung von 25 Jahren ist für Giraffen normal.

Der 21-jährige Netzgiraffen-Bulle war seit 2002 in der Wilhelma.
Foto: Wilhelma Stuttgart

In der Wilhelma leben aktuell noch die beiden Netzgiraffen Nyiri und Sala, die im April aus dem Kölner Zoo gekommen sind. Die Koordinationsstelle für das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) der Zoos wird eine Empfehlung aussprechen, wann es sich anbietet, dass ein Bulle in zuchtfähigem Alter wieder nach Stuttgart kommt. Seit 2016 zählt die Weltnaturschutzunion IUCN auch Giraffen zu den bedrohten Tierarten auf der Roten Liste. Deren Bestände sind in den vergangenen drei Jahrzehnten um rund 40 Prozent gesunken. Von der Netzgiraffe gibt es in ihrem Verbreitungsgebiet, dem Nordosten Kenias sowie den angrenzenden Teilen Süd-Somalias und möglicherweise dem Süden Äthiopiens, nur noch weniger als 4.700 Tiere.

Im April hatte Hanck (Mitte) die beiden neuen Giraffen aus dem Kölner Zoo kennen gelernt: Sala (links) und Nyiri.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Text: Wilhelma, Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart Foto: Wilhelma Stuttgart
08.11.2021

Historischer Eingangspavillon von 1846 – Das Aushängeschild der Wilhelma wird aufwendig restauriert

Der historische Pavillon von 1846 am Haupteingang der Wilhelma verschwindet hinter einem Bauzaun. Das achteckige Vordach des Umgangs und einige gusseiserne Elemente müssen saniert oder ersetzt werden. Das weniger bekannte reiche Dekor im Innenbereich wird konserviert.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Das prominenteste Gebäude der Wilhelma zieht sich für rund anderthalb Jahre aus der Öffentlichkeit zurück. Das Amt Stuttgart des Landesbetriebs Vermögen und Bau Baden-Württemberg saniert den historischen Eingangspavillon an der Neckartalstraße, der vor 175 Jahren errichtet wurde. Das kleine Baudenkmal ist das wahre Aushängeschild des Zoologisch-Botanischen Gartens in Stuttgart. Generationen von Gästen haben an dem Kassenhäuschen ihre Eintrittskarten gekauft und Millionen von Autos passieren jedes Jahr auf der vielbefahrenen B10 die illustre Fassade im Zentrum der orange leuchtenden Terrakottarelief-Wand. Auch wenn der Bauzaun nun den Blick bis auf das Dach verdeckt, öffnet die Wilhelma weiterhin tagein, tagaus an dieser Stelle um 8.15 Uhr. Container werden in der Zwischenzeit die Kassen beherbergen. Wenn 2023 die Hüllen der Baustelle fallen, dürfte sich der Pavillon in einem beschaulicheren Umfeld wiederfinden. Wenn der neue Rosensteintunnel freigegeben ist, soll die Neckartalstraße zurückgebaut werden und nicht mehr als Hauptverkehrsader dienen.

Der historische Pavillon von 1846 am Haupteingang der Wilhelma verschwindet hinter einem Bauzaun. Das achteckige Vordach des Umgangs und einige gusseiserne Elemente müssen saniert oder ersetzt werden. Das weniger bekannte reiche Dekor im Innenbereich wird konserviert.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Das bauliche Schmuckstück wartet geradezu darauf, dass dass Konzept der „Stadt am Fluss“ hier Raum greift. Denn ursprünglich ließ König Wilhelm I. von Württemberg vor seinem neuen privaten Refugium in den damals überdachten Wandelgang zum Wilhelma-Theater einen kleinen Gartensaal als Gazebo integrieren, von wo aus er den Blick über das Neckarufer schweifen ließ.

Der Sanierungsumfang ist auf rund 1,9 Millionen Euro veranschlagt. Die Bundesrepublik Deutschland vertreten durch die Beauftragte der Bunderegierung für Kultur und Medien beteiligt sich mit 900.000 € zusammen mit dem Land Baden-Württemberg an den Kosten zur Erhaltung des Kulturerbes. Es handelt sich um eine Erstrestaurierung. Bislang waren lediglich in den 1990er Jahren die Außenmalereien konserviert worden. Detaillierte Prüfungen mit Röntgenaufnahmen und Kamerabefahrungen haben ergeben, dass zur Sicherung der alten Bausubstanz das Vordach des Oktagons mit seinen Stützen zurückgebaut, saniert und gusseisernere Elemente zum Teil nachgegossen werden müssen. Mehrere Ornamente sind bereits abgängig.

Der historische Pavillon von 1846 am Haupteingang der Wilhelma verschwindet hinter einem Bauzaun. Das achteckige Vordach des Umgangs und einige gusseiserne Elemente müssen saniert oder ersetzt werden. Das weniger bekannte reiche Dekor im Innenbereich wird konserviert.
Foto: Wilhelma Stuttgart

Im Gusseisen entsteht durch Korrosion mit der Zeit poröser Eisenschwamm, was der Konstruktion ihre Festigkeit raubt. Das im 19. Jahrhundert eingesetzte Baukasten-Prinzip mit Steckverbindungen lässt sich jedoch erhalten, soweit brüchige Werkstücke auszutauschen sind. Das Ziel des Denkmalschutzes ist es immer, so viel des Originalzustands zu bewahren oder wiederherzustellen wie möglich. Da sich das Kerngebäude als belastbar erwiesen hat, können das Gemäuer und das Dach stehen bleiben. Der Sandstein wird bis auf die Bodenplatten nur gereinigt. Und auch die dekorative Ausgestaltung des Innenraums wird lediglich konserviert und bei Bedarf nachgefasst. Obwohl die Außenansicht des Kassenpavillons vielen sehr vertraut ist, wissen wenige, als was für ein Schmuckkästchen das Interieur sich entpuppt. Florale Wandmalereien zieren das Achteck mit blumenbekränzten Frauenköpfen und musizierenden Putten.

Fotogalerie zum Beginn der Renovierungsarbeiten:

Text: Wilhelma, Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart Foto: (3) & (5) NABU/Sebastian Hennigs; (Rest) Wilhelma Stuttgart
08.11.2021

Wilhelma – Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart

Anhaltende Feuersbrunst in Brasilien: Großspende und Kooperation

Wilhelma stärkt Pantanal-Nothilfe und Projekt für Riesengürteltiere

Die Corona-Pandemie hält die Welt in Atem. Sonst wären dieses Jahr wohl die Flächenbrände das globale Thema Nummer Eins. Denn 2020 brennt es dauerhaft an allen Ecken und Enden. Die Buschbrände in Australien, die Waldbrände an der Westküste der USA und der brennende Regenwald in Südamerika: Die größten Hotspots haben auf mehreren Kontinenten eine Verwüstung von nie gekanntem Ausmaß erreicht und Millionen von Hektar zerstört. Die Wilhelma in Stuttgart trägt jetzt mit einer Nothilfe-Spende dazu bei, die aktuelle Umweltkatastrophe im Pantanal im Südwesten Brasiliens einzudämmen. Zudem geht sie vor Ort eine Kooperation ein, um das Überleben der Riesengürteltiere langfristig zu sichern.

Das Team der Tierklinik der Federal University of Mato Grosso zeigt einen geretteten Ameisenbären, den es gerade an seinen verbrannten Pfoten verarztet hat.
Foto: Patricia Medici

Das weltgrößte Feuchtgebiet hat eine herausragende Bedeutung für die Artenvielfalt. Doch liegt diese Region mit den Dimensionen von Großbritannien bereits zu einem Viertel in Asche – und es lodert weiter. In der stärksten Dürre seit 50 Jahren blieben die Überschwemmungsgebiete des Rio Paraguay selbst während der jüngsten Regenzeit trocken. Die Heimat von mehr als 120 Säugetier-Arten, wie Jaguar, Puma und Ozelot, aber auch des bereits vom Aussterben bedrohten Riesenotters, steht auf dem Spiel. Hinzu kommen hunderte Vogelarten sowie ungezählte Spezies von Fischen, Reptilien und Amphibien. Während die berühmten blauen Hyazinth-Aras der Feuersbrunst davonfliegen können, kommen die Bodenbewohner entweder direkt im Flammenmeer um oder verlieren ihre Lebensgrundlage. Über 2000 Pflanzenarten sind ebenso in Gefahr.

Die Wilhelma nimmt nun umgerechnet 25.000 Dollar aus ihrem Artenschutz-Budget und Spenden ihrer Gäste in die Hand, um den Kräften vor Ort in dem Naturschutzgebiet die nötigsten Arbeitsmittel zu finanzieren: persönliche Schutzausrüstung für die Brandbekämpfer, wie Feuerwehr-Helme, feuerbeständige Kleidung und Wasserrucksäcke, sowie veterinärmedizinische Ausrüstung für die Tiernotrettung. Eine Partnerin ist die Federal University of Mato Grosso, deren Tierklinik verletzte Jaguare, Tapire und Ameisenbären behandelt. Es fehlt an den absoluten Grundlagen, weil die brasilianische Umweltbehörde Ibama stark unterfinanziert ist.

Artenschützer des Giant Armadillo Conservation Projects lassen ein Gürteltier aus der Transportbox.
Foto: GACP

Als Zoologisch-Botanischer Garten ist die Wilhelma selbst ein herausragender Hort der Artenvielfalt: Sie hegt und pflegt in Stuttgart rund 1200 Tierarten sowie 8500 Pflanzenarten und -sorten. Die historische Parkanlage verfügt außerdem über 160 Baumarten. „Unser Anspruch ist es, nicht nur die Vielfalt bei uns durch die Erhaltungszucht zu bewahren und unseren Gästen Umweltthemen nahezubringen“, sagt Direktor Dr. Thomas Kölpin, „sondern wir wollen gemeinsam mit unseren Unterstützerinnen und Unterstützern auch vor Ort die ursprünglichen Lebensräume der Tiere und Pflanzen schützen. Wir hoffen auf Mitstreitende, denn alleine kann das niemand leisten. Das ist eine große Gemeinschaftsaufgabe.“ Dazu gehört es auch, die lokalen Konflikte zwischen Mensch und Tier zu mindern. So töten Imker in Brasilien Riesengürteltiere, weil diese sich unter anderem von ihren Bienenvölkern ernähren. Die Wilhelma startet deshalb jetzt eine Zusammenarbeit mit dem gemeinnützigen Giant Armadillo Conservation Project (GACP). Das Programm hilft den Imkern, ihre Bienen vor den Übergriffen des Gürteltiers zu schützen. Überdies ist geplant, den Honig zu zertifizieren und international zu vermarkten, um der einheimischen Bevölkerung so einen auskömmlichen Lebensunterhalt zu ermöglichen, der die Natur nicht ausbeutet. So soll auch die Brandrodung eingedämmt werden, mit der sich die Bauern langfristig ihrer eigenen Existenzgrundlage berauben.

Text: Wilhelma – Zoologisch-Botanischer Garten Stuttgart Foto: (1) pixabay.com; (2) Patricia Medici; (3) GACP
16.11.2020